Baptists against racism kl

Grafik: BWA-Generalsekretär Dr. Elijah Brown auf einer Demonstration in Washington D.C.

Rassenungerechtigkeiten und -unruhen in den Vereinigten Staaten
Stellungnahme der North American Baptist Fellowship und der BWA

Die Gemeinschaft der nordamerikanischen Baptisten (North American Baptist Fellowship, NABF) und der Baptistische Weltbund (Baptist World Alliance, BWA) haben am 3. Juni anlässlich der Proteste gegen Rassismus in den Vereinigten Staaten eine Stellungnahme veröffentlicht, die hier in der deutschen Übersetzung wiedergegeben wird.

Während weitere Namen zur Wolke der Zeugen (Hebräer 12,1) von Rassenungerechtigkeiten in den Vereinigten Staaten hinzugefügt werden – wie Ahmaud Arbery, Breonna Taylor und George Floyd – fügen auch wir unsere Stimmen als Baptisten hinzu, inspiriert vom prophetischen Ruf, dass das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach ströme. (Amos 5,24)

Die North American Baptist Fellowship (NABF) verbindet über die Grenzen von Rassen und Ethnien hinweg 19 Millionen Baptisten in 55.000 Gemeinden und 22 Gemeindebünden in Kanada und den Vereinigten Staaten. Die NABF ist eine der sechs Regionen des Baptistischen Weltbundes (BWA), einem Netzwerk von 240 Baptistenbünden in 125 Ländern und Gebieten, zu dem 47 Millionen Baptisten in 169.000 Gemeinden gehören.

Angetrieben von unserem Glauben an den Herrn Jesus, erklären wir:

Wir beklagen zutiefst den expliziten und impliziten Rassismus, der einige Amerikaner nur wegen ihrer Hautfarbe als Bürger zweiter Klasse behandelt. Wir bekräftigen, dass alle Menschen zum Ebenbild Gottes geschaffen sind.

Wir beklagen zutiefst den Tod jedes einzelnen und aller Menschen. Wir bekräftigen, dass alle die Chance auf Gerechtigkeit vor Gericht verdienen, nicht das Gelynchtwerden auf der Straße.

Wir beklagen zutiefst, dass es für unbewaffnete Schwarze dreimal so wahrscheinlich ist, von der Polizei getötet zu werden, wie für unbewaffnete Weiße. Wir bekräftigen, dass das „Leben von Schwarzen zählt“ („black lives matter“) für Gott und deswegen auch für uns zählen sollte.

Wir beklagen zutiefst eine Gesellschaft, in der es für Schwarze doppelt so wahrscheinlich ist, von der Polizei angehalten werden, wie für Weiße, und viermal so wahrscheinlich, durchsucht zu werden. Wir bekräftigen, dass Gerechtigkeit für alle gleich gelten muss, weil es sonst keine Gerechtigkeit ist.

Wir beklagen zutiefst ein juristisches System, in dem Schwarze ein höheres Strafmaß für dasselbe Vergehen zugemessen bekommen und in dem die Todesstrafe am wahrscheinlichsten ist, wenn der Angeklagte schwarz und das Opfer weiß ist. Wir bekräftigen den Ruf unseres Herrn nach gerechter Barmherzigkeit, der selbst als Opfer eines korrupten Systems starb.

Wir beklagen zutiefst die Militarisierung der Einsatzkräfte der Polizei, die gezielt angewiesen werden, Minderheitengruppen als Feinde zu behandeln. Wir bekräftigen die Lehre des Friedefürsten, dass die Friedensstifter gesegnet sind.

Wir beklagen zutiefst den Einsatz von Tränengas und Pfefferspray – beide in der Kriegsführung verboten – gegen Demonstranten. Wir bekräftigen, dass das Grundrecht, sich friedlich zu versammeln, geachtet werden soll.

Wir beklagen zutiefst, dass Journalisten von den staatlichen Autoritäten angegriffen und verhaftet werden. Wir bekräftigen die Einschätzung unseres baptistischen Bruders, des Abgeordneten John Lewis: „Ohne die Medien – Printmedien und Fernsehen – wäre die Bürgerrechtsbewegung wie ein Vogel ohne Flügel gewesen, wie ein Chor ohne Lied.“

Wir beklagen zutiefst jede Gewalt, einschließlich der bewussten Zerstörung oder Verunstaltung von Geschäften, Häusern und Gebetsstätten. Wir bekräftigen die biblische Aufforderung, den Mitmenschen wie sich selbst zu lieben, und wir sind dankbar für alle öffentlichen Bediensteten, die sich für den Schutz anderer einsetzen.

Wir beklagen zutiefst die Ausnutzung von christlichen Texten oder heiligen Orten zur Unterstützung von Machtmissbrauch. Wir bekräftigen das Zeugnis unseres Herrn, der mitten in staatlicher Verfolgung geboren wurde, die Unschuldigen den Atem abgewürgt hat.

Wir beklagen zutiefst die weitergehenden Folgen der Sklaverei, die „Jim-Crow-Gesetze“, die Städteplanung, die Ausgrenzung und die Diskriminierung durch Finanzinstitute, die immer noch Minderheitengruppen Leid zufügen. Wir bekräftigen, dass es der Weg zur Vision unseres baptistischen Bruders Martin Luther King Jr. von einer liebevollen Gemeinschaft („beloved community“) erfordert, dass ungerechte Strukturen verändert werden.

Wir beklagen zutiefst die Kluft zwischen den Rassen im Blick auf den Wohlstand wie auf den Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Internet usw.; sie sind noch offensichtlicher geworden durch die Corona-Pandemie, in der drei Mal so viele schwarze Amerikaner sterben wie weiße Amerikaner. Wir bekräftigen, dass sich unsere Nation diesen strukturellen Ungleichheiten stellen muss, und das beinhaltet auch die Notwendigkeit ernsthafter Verhandlungen mit dem Ziel, die Fehler der Vergangenheit durch Akte der Umkehr und Reparation zu beheben.

Wir beklagen zutiefst die Zeiten, in denen unsere eigenen baptistischen Gemeinschaften darin versagt haben, das Licht der Welt zu sein, und sich stattdessen mit den Flammen des Hasses vereint haben – und wir erbitten demütig die Vergebung von Gott und von unseren Mitmenschen, an denen wir gesündigt haben. Wir bekräftigen unsere Hingabe in Wort und Tat, Recht zu tun, Barmherzigkeit zu lieben, und demütig zu leben. (Micha 6,8)

Samuel Tolbert
Präsident, North American Baptist Fellowship
Präsident, National Baptist Convention of America

Jeremy Bell
Generalsekretär, North American Baptist Fellowship

Paul Msiza
Präsident, Baptist World Alliance

Elijah Brown
Generalsekretär, Baptist World Alliance

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Übersetzung: Thomas Klammt
Entwurf der Stellungnahme: Brian Kaylor, Herausgeber und Präsident von „Word & Way“

Quelle: https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/rassenungerechtigkeiten-und-unruhen-in-den-vereinigten-staaten/

 

„Solchen Rassismus erleben wir auch in Deutschland. Nicht nur die Anschläge in Hanau haben das gezeigt. Die Ansicht, dass Menschen aufgrund bestimmter Merkmale weniger wert seien als andere, und dass ihre gesellschaftliche, soziale oder politische Ausgrenzung oder Diskriminierung deshalb gerechtfertigt sei, ist die Wurzel von Unrecht auch bei uns. Und wir – auch wir in unseren Kirchen und Gemeinden – müssen uns fragen (lassen), welchen Anteil wir daran haben“, so BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba.

https://www.facebook.com/baptisten.de/ 8. Juni 2020

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