Martin Luther King March on Washingtonkl

 

"I have a dream" - rief Dr. Martin Luther King, Jr am Ende seiner Rede beim "Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ am 28.08.1963. "Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach der Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.

57 Jahre später, am 28.08.2020, gibt es wieder einen Marsch auf Waschington. Der Slogan dieser Demonstration „Get Your Knee Off Our Necks“ (Nehmt euer Knie von unseren Hälsen) bezieht sich auf den – von einem Polizisten ermordeten – afroamerikanischen Sicherheitsmann George Floyd. Während der Trauerfeier für Floyd hatte der schwarze Bürgerrechtler und baptistische Prediger Al Sharpton dazu aufgerufen, erneut nach Washington zu gehen. Man müsse weiter für Gleichberechtigung und ein Ende der Gewalt gegen Schwarze kämpfen.

Schon am frühen Morgen des 28.08.2020 versammelten sich die ersten Demonstranten, am Vormittag begann ein über zweistündiges Bühnenprogramm mit Dutzenden Reden. Immer wieder wurde an „Dr. King“ erinnert, also Martin Luther Kings Auftritt auf diesen Stufen anno 1963. Wie wenig habe sich doch seither für Schwarze zum Positiven geändert, beklagten etliche Redner.

"Wir sind gekommen, so wie Dr. King vor 57 Jahren, um zu sagen, dass wir der gebrochenen Versprechen müde sind", sagt Al Sharpton, der den Marsch mitorganisierte. Präsident Lincoln habe 1863 den Schwarzen die volle Staatsbürgerschaft versprochen, so Sharpton. „Aber wir haben die volle Staatsbürgerschaft nie bekommen.“

"Ein Knie drückt auf den Nacken der Demokratie, und unsere Nation kann nicht länger ohne den Sauerstoff der Freiheit leben", sagte der Bürgerrechtler Martin Luther King III. auf den Stufen des Memorial an der National Mall. Er rief zu einem Wandel in der US-Gesellschaft auf. "Rhetorik und Märsche" allein seien nicht ausreichend. "Wir fordern echten, dauerhaften, strukturellen Wandel." Der aktuelle Präsident verwechsele Prunk mit Größe, meinte Kings ältester Sohn und mahnte seine Zuhörerinnen und Zuhörer, so zu wählen, "als ob unser Leben, unser Lebensunterhalt, unsere Freiheiten davon abhängen. Denn das tun sie."

An diesem Tag wurde nicht nur an die Vision von Martin Luther King und was (nicht) aus ihr wurde erinnert, sondern auch an die des kürzlich verstorbenen Abgeordneten John Lewis, einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Er hatte das Wahlrecht für die schwarzen US-Bürgerinnen und -Bürger vor über 50 Jahren mit erkämpft – aber "voter suppression", die Unterdrückung von Wählerstimmen etwa durch strategischen Zuschnitt von Wahlkreisen oder die erschwerte Registrierung, trifft die schwarze Bevölkerung nach wie vor besonders hart.

Entsprechend rief der Bürgerrechtler Martin Luther King III bei der Kundgebung die Afroamerikaner auf, bei der Präsidentenwahl am 3. November ihre Stimme abzugeben. „Wählt sicher, wählt per Brief“, appellierte er. Möglichst viele sollten auch ihre Hilfe bei der Durchführung der Wahl anbieten, "damit jede Stimme gezählt" werde.

"Wir werden die Generation sein, die systematischen Rassismus ein für alle Mal beendet, jetzt und für immer!", ruft seine zwölfjährige Tochter, die jüngste Rednerin, und Martin Luther Kings Enkelin Yolanda Renee. "Und wir werden den Traum meines Großvaters erfüllen."

Quellen:
Die Welt, Daniel Friedrich Sturm
Die Zeit, Johanna Roth
Die Zeit
zdf.de

 

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